Wie es begann...

Bericht aus der Braunschweiger Zeitung vom 1.Februar 1997 - von Christoph Thiele

In Meinersen im Landkreis Gifhorn zieht ein Karnevalsverein Jahr für Jahr das gesamte Dorf in seinen Bann

Wie aus einer Fußballelf ein Elferrat wurde

Meinersen, Ort mit 3600 Einwohnern im Landkreis Gifhorn, hat es gepackt: Tausende Menschen lassen sich alljährlich anstecken vom ... Karnevalsfieber. Dabei ist hier am Okerstrand fast alles anders als beim rheinischen Karneval in Mainz, Köln oder Düsseldorf. Denn statt Prinzengarde, Funkenmariechen oder buntem Umzug veranstaltet der Meinerser SV-Helau Prunksitzungen mit Varieté, Show, Tanz, Theater, Livemusik und Playbackbeiträgen.

Die Prunksitzungen waren immer restlos ausverkauft!

Seinen Ursprung nahm der Meinerser Karneval im Jahr 1987. Elf "Alte Herren"-Fußballer der Sportvereinigung Meinersen-Ahnsen-Päse führten in der spielfreien Zeit im Winter während eines Kameradschaftsabends ihren Frauen und Kindern ein Kamevalsprogamm vor. Dies kam so gut an, daß der Entschluß gefaßt wurde, einmal vor größerem Publikum aufzutreten. So wurde aus elf Fußballern der Elferrat und der SV-Helau zunächst Sparte der Sportvereinigung. Spielerfrauen, Kinder, Großeltern und einige Freunde engagierten sich bei den Prunksitzungen ebenfalls mit Beiträgen, oder sorgten für Dekoration, Kostüme Schminke und Verpflegung.

Der Erfolg war überwältigend, schon im ersten Jahr war der 350 Zuschauer fassende Saal einer Gaststätte an drei Abenden zum Bersten gefüllt. Seit jenen Tagen im Februar 1988 verfolgt den SV-Helau jedoch ein Problem: Alle bisherigen Prunksitzungen - inzwischen weit mehr als 30 Veranstaltungen - waren stets restlos ausverkauft. So gab es schon Wintertage, an denen die Narren im Morgengrauen in langen Schlangen mit Campingstühlen und Campingtischen, Skat spielend und Glühwein trinkend für den Kartenvorverkauf am Nachmittag anstanden. "Wir sind stolz auf die Popularität, aber zugleich unglücklich, denn wie wir den Kartenverkauf auch gestalten, es sind immer Leute sauer." die keine Karten bekommen", entschuldigt Präsident Rainer Tietje. Dabei wurde im vergangenen Jahr in Meinersen - der alte Saal war abgebrannt - nicht zuletzt für die Karnevalsveranstaltungen ein neues Kulturzentrum für mehr als fünf Millionen Mark fertiggestellt. Doch mehr als insgesamt 2000 Narren finden auch hier, bei insgesamt n Veranstaltungen im Jahr, keinen Platz.
Der Multiplikationseffekt ist unglaublich: Sind in diesem Jahr zwei Leute zum ersten Mal dabei, so wollen diese beiden Gäste im nächsten Jahr gleich mit einer Gruppe von 20 Personen kommen, das halbe Kreisgebiet möchte mitfeiern", begründet Tietje und ergänzt: "Selbst unsere schlimmsten Gegner aus den Nachbarorten, die uns beim Fußball immer nur vor die Schienbeine getreten haben, gehören heute zu unseren größten Fans".
Anekdoten haben sich im Laufe der Jahre einige zugetragen: Da gab es einen Darsteller, der bei seiner Aufführung mit Salto rückwärts von der Bühne stürzte oder einen, der sich bei seinem Auftritt so verausgabte, daß er sich ins Sauerstoffzelt des Roten Kreuzes begeben mußte. Legendär auch. wie Präsident Tietje mit seinem gutmütigen alten Pferd Futura durch die Herrentoilette in den Saal einritt.
Fast vier Monte bereiteten sich die etwa 60 Akteure intensiv auf die Veranstaltungen vor. Doch wie schaffen es die Hobbykarnevalisten Jahr für Jahr, eine gut fünfstündige Show auf die Bühne zu bringen, die an Ideenreichtum kaum zu überbieten ist? Die auch nach Meinung Außenstehender mit Lachsalven, technischen Effekten, faszinierenden Bildern und mitreißender, unter die Haut gehender Musik jung und alt in ein Wechselbad der Gefühle stürzt? "Wir haben immer ein anderes Motto und damit auch ganz unterschiedliche Beiträge", begründet Programmdirektor Bernd Deeke.

Schräge Typen, die quer in der Luft liegen!

"Hafenmilieu, Zirkus, Nostalgie, International, Fantasia - stets war das Programm auf ein neues Thema zugeschnitten". Dennoch scheint das wahre Geheimnis des Meinerser Karnevals in den zahlreich vorhandenen „Ideenschmieden" und der nahezu professionellen Umsetzung begründet zu sein. Denn wo sah man jemals einen Elferrat, der als "schräge Typen" quer in der Luft liegend scheinbar sämtliche Gesetze der Schwerkraft aus den Angeln hob, oder Menschen, die als die Marionetten Jim Knopf und Lukas das Lummerlandstück der Augsburger Puppenkiste nachspielten und dabei den tonnenschweren Eigenbau einer Lokomotive über die Bühne führten "Hier werden echte Premieren gefeiert, 50 Prozent denken wir uns wirklich selber aus, 50 Prozent übernehmen wir fremde Ideen, aber immer in abgewandelter Form", erklärt Präsident Rainer Tietje.
In Meinersen ist der Karneval inzwischen mehr als nur kultureller Jahreshöhepunkt, hier fiebert jährlich eine ganze Gemeinde der fünften Jahreszeit entgegen. Und die Ausbreitung wäre kaum aufzuhalten, wenn da nicht das Eintrittskartenproblem wäre...

Der "alte" Elferrat (aufgenommen im Jahr 2001)

Der "alte" Elferrat (bis 31.10.2002)

Bernd Deeke Andreas Jakob Horst Langner Ulrich Sollmann Manfred Schröter Rainer Tietje Horst Limp Albert Evers Adolf Deeke Werner Schuster Detlev Jäger Willi Just

 

Ehren-Präsident Rainer Tietje Dorfstr. 6, 38536 Meinersen 05372-9917
Ehrenelferratsmitglied Manfred Schröter Anbauerstr. 7, 38536 Meinersen 05372-7246
Ehrenelferratsmitglied Horst Limp Dalldorfer Str. 4a, 38536 Meinersen 05372-1524
Ehrenelferratsmitglied Bernd Deeke Anbauerstr. 5, 38536 Meinersen 05372-7101
Ehrenelferratsmirglied Ulrich Sollmann von Düring Str. 8, 38536 Meinersen 05372-7052
Ehrenelferratsmitglied Detlef Jäger Schmiedekamp 8, 38536 Meinersen 05372-974444
Ehrenelferratsmitglied Werner Schuster Schäferkamp 24, 38536 Meinersen 05372-7722
Ehrenelferratsmitglied Andreas Jakob Schmiedestr. 6a, 38536 Meinersen 05372-1788
Ehrenelferratsmitglied Albert Evers Lilienweg 4, 38536 Meinersen 05372-5065
Ehrenelferratsmitglied Adolf Deeke Anbauerstr. 4, 38536 Meinersen 05372-6327
Ehrenelferratsmitglied Horst Langner Vorfeldweg 7, 38536 Meinersen 05372-6994
Ehrenelferratsmitglied Willi Just Dalldorfer Str. 22, 38536 Meinersen 05372-7267